Angebote am EMZ

Liebe Jugendliche, liebe Eltern,

in Deutschland ist seit mehr als 100 Jahren eine Atmosphäre entstanden, in der ohne Vorbehalte über Sexualität gesprochen werden kann. Unter Benutzung von vielen griechischen, lateinischen, englischen und ursprünglich deutschen Wörtern ist eine Sprache rund um die Sexualität entstanden, die vielfältig und feinfühlig sein kann.

Auffällig ist in Deutschland im internationalen Vergleich der Umgang mit Bildern, auf denen nackte Haut zu sehen ist. Zeitungen und Illustrierte werben täglich an jedem Kiosk mit nackten (mehrheitlich weiblichen Ober-) Körpern. Aber da sind nicht nur die vielen Bilder in Medien – in Deutschland begegnet man auch den Anhängern der „Freikörperkultur“ (einer traditionellen, ganzheitlichen Gesundheitslehre). Sie haben ihr Recht auf Nacktheit in Kolonien und Nacktbadestränden verwirklicht (in Ost- und Westdeutschland auch in den Jahren der Trennung). Niemand nimmt heute daran Anstoß. Bei Übergriffen von Gegnern bietet die Polizei Schutz. Selbst in der Öffentlichkeit gilt nacktes Auftreten eher als bürgerliche Form des Protests. Für „Sexualität“ wird das nicht gehalten.

Um mit Deutschen über Sexualität reden zu können, ist es hilfreich, sich ein spezielles Wörterbuch zuzulegen. Selbst dort sind aber die Wörter oft nur sparsam erklärt und berühren viele Möglichkeiten des Ausdrucks kaum oder nicht (z.B. Schmuseworte, Doppelbedeutungen, Selbstironie).

Im Vergleich zu Deutschen ist für viele Menschen mit Migrationshintergrund das soziale Gespräch über die eigene Sexualität oder auch über die anderer Menschen ungewohnt. Das Gespräch über Homosexualität und das Verständnis von „normaler“ Sexualität, Paarbeziehung und sexueller Reifung (z.B. in Pubertät und Alter) ist unterschiedlich geprägt. Oft genug gibt es „keine Worte“ dafür.

Schaut man näher auf den interkulturellen Dialog zu Sexualität in Deutschland, stellt man fest, dass er nur wenig Raum findet. Zwar gelten ethnische Merkmale (z.B. Hautfarbe) als eine sexuelle Besonderheit, aber ein darüber hinaus weisender Dialog ist selten anzutreffen. Oft nehmen Deutsche an, für „Fremde“ sei Sexualität ein Tabu und viele Ausländer in Deutschland halten das Thema für sich selbst für tabu.

Im Ethno-Medizinischen Zentrum werden seit 1992 kultursensible AIDS-Mediatoren ausgebildet. Unsere Mediatorinnen (in der Mehrzahl bilden wir Frauen aus) klären über Vorbeugung und den solidarischen Umgang mit Infizierten auf. Über Aids-Prävention kann man nicht reden, wenn man nicht über Sexualität spricht. Kondome, die vor einer Übertragung von HIV schützen (HIV ist die Infektionskrankheit, die unbehandelt zu AIDS führt), werden nur sexuell angewendet. Viele unserer zweisprachigen Mediatoren sehen zunächst ein Problem darin, offen über Sexualität zu reden. Deshalb haben wir das Thema Sexualität immer wieder von uns aus in die Ausbildung von Mediatoren eingebracht.

Diese Homepage soll auch bei Ihnen und Euch (wir wollen interessierte Jugendliche und Erwachsene ansprechen) das Gespräch über Sexualität im interkulturellen Raum anregen. Wir hoffen, dass das Medium Internet hilft, unsere Information zu finden. Eure Anregungen und Beiträge sind von uns sehr erwünscht.

Das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. ist ein gemeinnütziger Verein. Spenden für die Arbeit unserer Einrichtung nehmen wir gern an. Für unser AIDS-Projekt verwenden Sie bitte die Kontonummer 498483 bei der Sparkasse Hannover (BLZ 250 501 80) für Ihre Überweisung. Gern senden wir einen Spendenbeleg zu.

Bitte wenden Sie sich auch an uns, wenn Sie eine Gruppenveranstaltung durch ein Mitglied unseres Mediatoren-Teams buchen wollen. Wir vermitteln landesweit Einsätze, die in mehr als 15 Sprachen durchgeführt werden können. Neben Sexualpädagogik werden auch Kenntnisse zu vielen anderen Themen wie Sucht, Zahnpflege, Brustkrebsfrüherkennung und Ernährung und Bewegung angeboten. Wir unterrichten an vielen Orten vom Kindergarten bis zur Moschee.

Diese Homepage wurde nach den Kriterien des HON-Code erstellt. Nicht alle Kriterien konnten wir in vollem Umfang erfüllen. Wir setzen darauf, dass ein persönliches Gespräch weiter helfen kann, als ein Internetangebot. Sie können das Ethno-Medizinische Zentrum telefonisch erreichen. Persönliche Hilfe finden Sie auch bei den von uns unter „Beratungsstellen“ aufgeführten Einrichtungen.

Das Team Sexualpädagogik am EMZ: Ramazan Salman (Soziologe), Matthias Wienold (Arzt und Gesundheitswissenschaftler), Ahmet Kimil (Psychologe), Katja Ngassa-Djomo (Ethnologin), Javier Arola Navarro (Islamexperte)

 
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